Max Goldberger
Miksa (Max) Goldberger wurde am 17. März 1875 in Priwitz, Ungarn (nach dem Ersten Weltkrieg zur Slowakei gehörend), als Sohn des Mehlhändlers Henrik Goldberger und der Netti Grosz geboren.
Am 14. August 1902 heiratete er in Budapest die Schwester von Béla Szekula, Ilona (Helene), am 10. April 1884 in Szeged geboren.
Sie blieben zunächst in Budapest und bekamen drei Kinder: Tochter Erzsébet (=Elisabeth, geb. 20. August 1904), Sohn László (=Ladislav), geboren am 3. April 1907, und Tochter Ibolya (=Viola, Januar 21, 1911 – März 21, 1995).
Schließlich folgte die Familie Béla Szekula in die Schweiz.
Am 14. Februar 1919 wurden die Goldbergers Schweizer Bürger von Geuensee.
Im Mai 1919 trat Max Goldberger als Prokurist in Bélas Briefmarkenfirma ein.
Im Oktober 1920, noch während seiner Tätigkeit für Béla, eröffnete er sein eigenes Briefmarkengeschäft Max Goldberger
in Luzern in der Hertensteinstr. 58.
Im Februar 1922 lief die Prokura von Max Goldberger bei Béla aus.
Im Juni 1923 wurde Goldbergers Briefmarkengeschäft in Max Goldberger & Cie
umgewandelt, mit ihm und seiner Frau als Inhaber.
Im Juli 1929 wurde die Firma aus dem Schweizer Handelsregister gelöscht, als die Familie Goldberger die Schweiz verließ, um ihr Briefmarkengeschäft in der Eichhornstr. 8 in Berlin wieder zu eröffnen.
Zwei Jahre später gerieten die Goldbergers in die Schlagzeilen:
Nachdem sie Nachdrucke seltener Briefmarken als Originale verkauft hatten, wurden Max Goldberger und sein Sohn Ladislav Ende 1931 wegen Betrugs zu drei bzw. sechs Monaten Gefängnis verurteilt.
Anscheinend legte Max Goldberger gegen das Urteil erfolgreich Berufung ein, da sich einige Jahre später in einem der Schweizerischen Gesandtschaft vorliegenden Führungszeugnis – im Gegensatz zu dem seines Sohnes – kein Eintrag über eine Gefängnisstrafe befand.
1934 zogen Goldberger & Cie noch einmal um, in die Friedrichstr. 160 – vermutlich aus finanziellen Gründen.
Obwohl er noch in der Schweiz den protestantischen Glauben angenommen hatte und sich hatte taufen lassen, wurde für ihn der Handel aufgrund seines jüdischen Nachnamens seit Hitlers Machtergreifung immer schwerer.
Schließlich musste er einsehen, dass seine kaufmännische Existenz bedroht war.
Im Februar 1936 wandte er sich über die Schweizer Gesandtschaft in einem Brief an den Bundesrat der Schweizerischen Eidgenossenschaft in Bern mit der Bitte, seinen Familiennamen in Gadmer
ändern zu dürfen – eine Bitte, die wenig Aussicht auf Erfolg hatte.
Es spielte auch keine Rolle mehr.
Am 5. März 1936 informierte die Berliner Polizei Max Goldberger unter Berufung auf das Gesetz über Reichsverweisungen vom 23. März 1934 darüber, dass er Deutschland binnen 30 Tagen zu verlassen habe, da er am 17. Dezember des Vorjahres vom Berliner Amtsgericht zu einer Geldstrafe von 50 Reichsmark verurteilt worden war.
Das Bußgeld war verhängt worden, weil er es 1934 versäumt hatte, rechtzeitig eine Verlängerung seiner Aufenthaltserlaubnis in Deutschland zu beantragen, und er daher in der Zeit vom 18. September bis 29. Oktober 1934 keine gültigen Ausweispapiere und damit gegen die Passverordnung vertoßen hatte.
Seine Beschwerde gegen die Ausweisung verschaffte ihm dann noch ein paar Monate Aufschub, wurde aber am 20. Juni endgültig abgewiesen.
Resigniert wandte er sich noch einmal an die Schweizer Gesandtschaft, in der Hoffnung, Unterstützung bei einem Antrag auf Fristverlängerung zu erhalten, um mehr Zeit für die Liquidation seines Geschäfts zu haben.
Mit der Ausweisung selbst hatte er sich bereits abgefunden.
Der weitere Ablauf des Vorgangs ist nicht bekannt, allerdings befand sich die Familie Goldberger bis August immer noch in Berlin.
Am 5. August 1936 teilte Helene Goldberger den Behörden mit, dass ihr Ehemann am Vormittag um zehn Uhr im Alter von 61 Jahren verstorben sei.
Noch im selben Jahr zog Helene von Berlin nach Budapest um in die Erzsébet körút 24, an die Adresse ihre Schwester Margit und ihr Schwager Ferenc Gergely. Am 31. Mai 1937 heiratete sie ihren vier Jahre jüngeren Cousin Géza Szekula in Budapest. Ob diese Ehe romantischer oder doch eher praktischer Natur war, sie dauerte jedenfalls nicht einmal ein Jahr. Bereits am 4. März 1938 wurde Helene zum zweiten Mal Witwe, als ihr Ehemann im Alter von gerade einmal 47 Jahren an einem Aortenaneurysma und Bronchialkatarrh verstarb.
Helenes Teilhaberschaft am Briefmarkengeschäft Max Goldberger & Cie
bestand wahrscheinlich nicht nur auf dem Papier, sondern sie war aktiv im Briefmarkenhandel involviert.
Irgendwann nach ihrem Umzug nach Budapest eröffnete sie von ihrer Wohnadresse aus in der zweiten Etage ihren eigenen Briefmarkenhandel Sveici Bélyeghaz
(bzw. nach neuerer Rechtschreibung Svájci Bélyeghaz
= Schweizer Briefmarkenhaus
).
Das Geschäft bestand bis in die frühen 50er Jahre, als Helene wieder nach Deutschland umzog zu ihrer mittlerweile verwitweten und finanziell gut gestellten älteren Tochter Elisabeth in Keyenberg.
Helenes letztes Lebenszeichen ist eine Meldebescheinigung aus Keyenberg vom März 1963.
Max und Helenes Sohn Ladislav verließ nach dem Tod seines Vaters ebenfalls Deutschland, ging aber nach Paris. Dort versuchte er sich weiterhin im Briefmarkenhandel, was nach Kriegsausbruch jedoch zunehmend schwieriger wurde, so dass er sich nur mit Mühe finanziell über Wasser halten konnte. Außerdem wurde es für ihn nach dem Einmarsch der Deutschen im Juni 1940 immer weniger sicher. Im Frühjahr 1943 organisierte der schweizerische Konsul in Paris eine Transportmöglichkeit für Schweizer Juden zurück in die Heimat. Trotz der Umstände entschied sich Ladislav jedoch gegen eine Rückkehr in die Schweiz und bestätigte sogar mit seiner Unterschrift, dass er auf eigene Gefahr in Paris bleiben wolle. Im Dezember 1943 wurde er von der Gestapo verhaftet und in Drancy interniert. Im Gegensatz zu anderen dort internierten Schweizer Juden, die später dem schweizerischen Konsul übergeben wurden, wurde die Schweizer Staatsbürgerschaft des gebürtigen Ungarn Ladislav von deutscher Seite ignoriert. Am 20. Januar 1944 wurde er nach Polen deportiert, wo er im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau dem Holocaust zum Opfer viel.